Dienstag, 4. Februar 2014

Der Präsident und seine Eischockey-Mannschaft


Alexander Lukaschenko mag Eishockey. Für ihn ist es mehr als nur ein Spiel. Es ist seine Leidenschaft - und eine der tragenden Säulen seiner Staatsideologie. "Eine sportliche Nation ist eine gesunde Nation", sagt man immer wieder in den belarussischen Staatsmedien. "Feiglinge spielen kein Eishockey", heißt es in einem bekannten sowjetischen Lied. Lukaschenko ist kein Feigling. Zumindest möchte er sich nicht als solcher nach außen zeigen. Deswegen lässt er überall im Lande die Eispaläste bauen und gründet eine Mannschaft, in der er selbst spielt. Er hat die Rückennummer 1.

Neulich war ich bei einem Spiel der "Mannschaft des Präsidenten der Republik Belarus" in Minsk.  Die Minsk-Arena ist eine moderne Riesenhalle, die zur Weltmeisterschaft gebaut wurde. Sie war voll: Alle 15.000 Plätze waren belegt. Im Publikum saßen Männer und Frauen, Studenten und Rentner, Eltern und Kinder. Ein Querschnitt der belarussischen Gesellschaft.

Die Tickets für das Spiel konnte man nicht kaufen. Die Einladungen wurden an den Unis, in den Staatsbetrieben, Krankenhäusern und bei der staatstreuen Judendorganisation "BRSM" kostenlos verteilt. Vor dem Spiel holten die BRSM-Mitglieder die großen rotgrünen Fahnen raus. Die Mädchen verteilten kleine Fähnchen an die Fans.

Zum ersten Mal in meinem Leben war ich bei einem Eishockeyspiel. Zum ersten Mal im Leben durfte ich den Präsidenten meines Heimatlandes live sehen. Er lief zum Tor und wartete darauf, dass jemand ihm den Puck wirft. Meist bekam er aber keinen Pass und ging nach ein paar Minuten wieder auf die Ersatzbank. Dort verbrachte er die meiste Spielzeit. Seine Leistung würde ich folgendermaßen bewerten: "Er war stets bemüht..."

Das Finale des "Internationalen Tourniers der Amateure für den Preis des Präsidenten der Republik Belarus" war trotzdem spannend. Zuerst führte Belarus 2:0. Dann holte Russland auf. 2:2. Am Ende gewann Belarus durch Penalty. Für mich war es aber viel spannender, nicht das Spiel, sondern die Zuschauer zu beobachten. Sie fieberten ganz leidenschaftlich für Belarus und klatschten, wenn der Spieler mit der Nummer 1 einen Pass bekam.

Freuen sie sich wirklich? Sehen sie nicht, dass das Ganze wie eine Satire aussieht? Hat Lukaschenko eine Persönlichkeitsspaltung, wenn er den Pokal gleichzeitig sponsert und gewinnt? Im "Tournier für den Preis des Präsidenten der Republik Belarus" gewinnt die "Mannschaft des Präsidenten der Republik Belarus". Welch eine Überraschung! In den letzten zehn Jahren gewann sie acht Mal bei dieser Meisterschaft. Nur zwei Mal durfte Russland siegen - in den Jahren, als die Verhandlungen über die Gaspreise besonders zäh liefen.

Jedes Mal wenn Amateurmannschaften von Deutschland, Finnland oder Kanada gegen Belarus verlieren, kommentieren die Nachrichtensprecher diese Spielergebnisse mit besonderem Genuss. Die Zuschauer sollten auf ihren Staat und den Präsidenten stolz sein.


 

Am Ende des Spiels holte Lukaschenko seine Haupttrophäe aufs Eis - seinen 9jährigen Sohn Kolja. Der Junge bekam wie alle Spieler der Mannschaft eine Medaille. Die Reporter vom Staatsfernsehen zeichneten ihre Aufsager auf: "Das Sportfest ist gelungen. Die Generlprobe für das Highlight des Jahres, die WM, ist überstanden." Die glücklichen Zuschauer verließen die geschmückte Arena. Nur ich fühlte mich fehl am Platz und konnte mich nicht wirklich über "unseren" Sieg freuen.



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