"Belarus Free Theatre" ist ein ungewöhnliches Theater. Zwischen London und Minsk, zwischen Skype und einer Garage, zwischen Spiel und der Wirklichkeit im autoritären Staat. Der Regisseur ist nach England geflüchtet, die Schauspieler leben in Belarus. Sie treten auf den besten Bühnen weltweit. New York Theater, New York Times und Vulture haben die Stücke von "Belarus Free Theater" für die besten im Jahr 2017 erklärt. Währenddessen müssen sie in ihrer Heimat im Underground agieren. Ich habe Schauspieler Maryna, Sergej und Anastasia in der Probe-Garage in Minsk und Regisseur Nicolai Khalesin in London getroffen. Am 8. Januar wird das Feature "Spiel frei" im SWR 2 ausgestrahlt.
So viel kann ich schon mal verraten: Das Stück "Ein Herr hatte einen sprechenden Spatz" ist eins der beeindruckendsten, bedrückendsten und leckersten Theaterstücken, das ich je gesehen habe. Am besten hört mal selber rein!
Das Stück "Ein Herr hatte einen sprechenden Spatz": Wer ist Gast? Wer ist Schauspieler?
Erdogan und Putin sind wieder Kumpels. Die Beziehungen zwischen Erdogan
und Merkel sind schlechter denn je. Was bedeutet das für ein
All-Inclusive-Hotel auf der türkischen Riviera?
„Heute ist
ein schöner Tag. La la la la la...“ Mit diesem Lied beginnt
jeder Morgen in unserem Hotel im türkischen Städtchen Okurcular. Das Animationsteam
stellt sich an den Rand des großen Pools mit türkisfarbenem Wasser. Die
sonnengebräunten Jungs in weißen T-Shirts strecken ihre Arme, machen die Fäuste
und singen dabei: „Und ich flieg, flieg, flieg, wie ein
Flieger, bin so
stark, stark, stark wie ein Tiger...“ Die Gäste machen nach, aber singen nicht
mit. Sie sprechen kein Deutsch, sondern Russisch.
Die Tafel im Wellness-Center sind auf Deutsch. Das
einstündige Wohlfühl-Programm mit Hamam und Massage kostet 50 Euro. Der Manager
im weißen Kittel erzählt, dass während im letzten Jahr circa 90 Prozente der
Gäste im Hotel die Deutschen und nur 10 Prozent die Russen waren, ist es in
diesem Jahr genau umgekehrt. Schuld daran seien seiner Meinung nach Frau Merkel,
die sich mit Erdogan gestritten hat, und die Journalisten, die schlecht über
die Türkei schreiben. Der Türke vom Bodensee spricht akzentfreies Deutsch – und
inzwischen ein paar Worte Russisch: „Pjat minut test massasch besplatno.“ Er
bietet zwei Damen, die gerade ins Wellness-Center reingekommen sind, eine kostenlose
fünf minütige Massage zur Probe an. „Wir kommen später“, sagen die Frauen auf
Russisch und verschwinden. Das Geschäft läuft scheinbar nicht so gut. Die
russischen Gäste wollen nicht so viel Geld ausgeben, auch wenn Präsident Putin behauptet,
die Wirtschaftskrise sei vorbei. Hauptsache, er hat das Verbot aufgehoben, einen
Urlaub in der Türkei zu machen. Nachdem Erdogan sich zähneknirschend für den Abschuss
des russischen Bombers im November 2015 bei ihm entschuldigt hatte. Single-mit-Kind-Index
Über die Kaufkraft der Russen klagt auch der
Kiosk-Besitzer im Hotel: „Sie kaufen im Unterschied zu den Deutschen sehr
wenig.“ In Anlehnung an den weltberühmten Big-Mac-Index könnte man in unserem
Hotel den Single-mit-Kind-Index einführen. Während ein Elternteil mit einem Kleinkind aus
Deutschland für eine Woche Pauschalurlaub 700 Euro zahlt, bekommen Singles mit
Kind aus Russland oder Belarus für die gleiche Summe 10 Tage
All-Inclusive-Urlaub. Eine ukrainische Mutter mit Kind zahlt für eine Woche nur
450 (US-Dollar wohlbemerkt!).
Im Miniclub wurden zu Beginn dieser Saison neben einer
deutschsprachigen Babysitterin auch eine russische Kollegin eingestellt. Die
deutschen Mütter schielen auf die russischen Mütter, deren Kinder oft Zeichentrickfilme gucken. (Auf einem Tablet! Ohne Kopfhörer!! Beim Abendessen!!!) Die Russinnen
lästern ihrerseits über die Deutschen, die im Beisein ihrer Kinder rauchen.
(Sie kennen einfach den Preisunterschied für Zigaretten in Deutschland und der
Türkei nicht).
Im Internet loben die Russen das Hotel für „die deutsche
Ordnung und Organisation“. Unten den deutschen Bewertungen lese ich: „Das einzige Manko ist, dass
die russischen Gäste sich echt oft laut und daneben benommen haben.“ Partystimmung auf Russisch
Vor der Abendshow bietet der Moderator zuerst die
Deutschen zu klatschen, danach die Türken und die Russen. Ein Teil der Zuschauer
hat bei keinem mitgeklatscht. Das sind Polen, Weißrussen und Ukrainer, die der
türkische Moderator wohl in die Gruppe „Russen“ mit eingegliedert hat. Sie
beschweren sich nicht. Auch Wortschlachten am Strand zwischen Russen und
Ukrainern sind Geschichte. Nach drei Jahren Krieg sind die Ukrainer wohl zu müde.
Und die Begeisterung der Russen über die „Wiedereingliederung“ der Krim hält
sich inzwischen in Grenzen. Nur das ein oder andere Sankt-Georg-Bändchen, das
am Koffer oder Kinderwagen angebunden ist, verrät die Einstellung seines
Besitzers.
Nach der Abendshow geht die Party an der Pool-Bar weiter.
Viele russische Gästen können der türkischen Gastfreundschaft nicht wiederstehen. Wie auch,
wenn Alkohol bis zur späten Stunde kostenlos und reichlich vorhanden ist.
Wenn in der Bar ein Schlager von Juri Schatunow aus den späten 80ern läuft. Der
Tag in unserem Hotel beginnt auf Deutsch – und endet auf Russisch.
Weißrussland oder Belarus?
Minsk oder Mensk?
Oktjabrskaja oder Kastrytschnizkaja?
Ich soll einen Artikel über meine Heimat schreiben, aber ich komme nicht voran. Der Grund: Bereits bei der Wahl der Begriffe fallen mit tausende Fragen ein. Ohne sie zu beantworten, kann ich mich nicht auf den eigentlichen Inhalt konzentrieren.
Na gut, dann versuche ich mal, sie zu klären. In erster Linie für mich selbst. Meine Muttersprache ist Russisch. So ist das nun mal. Ich komme aus dem Osten von Belarus, wo die absolute Mehrheit der Bevölkerung (auch meine Eltern, die mir die Sprache beigebracht haben) Russisch spricht.
Belarussisch lernte ich erst in der Schule. 1991 – frisch nach dem Erlangen der Unabhängigkeit – bekamen wir Erstklässler die frisch gedruckten Schulbücher auf Belarussisch. Die erste Reaktion war: Ablehnung. Im Mathe-Unterricht packten wir erstmal die belarussisch-russischen Wörterbücher aus, um die Aufgaben zu entziffern.
Die Postkarten "Schweige nicht auf Belarussisch", auf denen belarussische Begriffe erklärt werden
Ich übertreibe ein wenig. Viele belarussische Wörter waren mir schon bekannt. Vor allem von meinen Großeltern, die auf dem Land lebten. Sie sprachen Trasjanka, ein Dialekt, eine Mischung aus Russischem und Belarussischem. Belarussisch galt bei unseren Eltern, viele von denen aus den Dörfern in die Städte gezogen sind, als bäurisch und uncool. So war es zunächst auch bei uns. Bis wir Teenies wurden und uns von den Eltern emanzipieren wollten.
In der Abschlussklasse (das muss 2003 gewesen sein) wagten wir ein Experiment. Wir gingen nach dem Unterricht in der Stadt Mogiljow (Mahiljou?) einkaufen und sprachen die Verkäuferinnen auf Belarussisch an. Das Experiment ist gescheitert. Weil die Verkäuferinnen unsere Anstrengungen ignorierten und mit uns nur Russisch sprachen. Weil wir selbst nicht gut genug Belarussisch sprachen, um uns souverän darin unterhalten zu können.
So sieht Mogiljow, die Stadt meiner Jugen, heute aus (Januar 2017)
Wie Schicksal und Ljudmila Putina es wollten, ging ich kurz darauf zum Studium nach Russland (da ich bei einem Wettbewerb für die russische Sprache gewonnen habe, deren Schirmherrin die damalige Ehefrau von Putin war). Die Belarussisch-Frage verschwand erstmal von meiner persönlichen Agenda. Es hat mich nicht gestört, wenn jemand auf Russisch „Белоруссия“ (die alte sowjetische Bezeichnung; dt. Äquivalent: Weißrussland oder Belorussland) statt „Беларусь“ (Belarus, der Name des unabhängigen Staates nach der UdSSR-Auflösung) sagte. Jetzt ist das anders.
Es nervt mich, wenn ich „Белоруссия“ höre.
Für mich ist es selbstverständlich, dass Belarus ein eigenständiger unabhängiger Staat ist. Aber ich spreche weiterhin meistens Russisch. Ein bisschen ist es doch so: Belarussisch ist uns zu heilig, um es im Alltag zu verwenden. Und wenn wir ehrlich sind: Wir sind zu faul und bequem, um es anständig zu lernen und konsequent zu verwenden. Dabei bewundere ich Menschen, die es geschafft haben und spreche mit denen auch Belarussisch (auch wenn das nicht fehlerfrei ist).
Diese scheinbar unbedeutenden sprachlichen Fragen sind keineswegs unwichtig. Denn sie spiegeln den Kern des Problems und das Thema meines ungeschriebenen Artikels wider: Belarus am Scheideweg zwischen Russland und der EU.
Zurück zu meinem Artikel also. Ich schreibe „Belarus“ (und bin bereit, dem Redakteur geduldig zu erklären, warum ich es tue), aber „Minsk“ und „Oktjabrskaja“ (weil man die geografischen Namen in russischer Schreibweise auf Karten und Schildern schneller findet).
Ich hoffe, ich kann weiterhin Belarussin sein und Russisch sprechen. Ich hoffe, dass die äußeren Umstände mich nicht dazu zwingen werden, mich zwischen den beiden Sachen endgültig entscheiden zu müssen. Denn dann könnte passieren, dass meine alten Freunde und ich auf unterschiedliche Seiten gelangen. Wie es mit den russischen Verwandten passiert ist, mit denen wir unterschiedliche Antworten auf die Krim-Frage haben.
darüber werdet ihr aus der Tagesschau nicht erfahren. Diese brisanten Infos werden nicht im Deutschlandfunk erzählt. Nicht mal die taz wird diese Aufsehen erregende Nachricht veröffentlichen!
В одном из элитных районов Белграда находится штаб-квартира сербской Коммунистической партии, замаскированная под ресторан. Заправляет этим рестораном и партией внук знаменитого вождя Югославии Тито. Иосипу (Йошке) Брозу - 65 лет, худощав. Он говорит не спеша: "Только Коммунистическая партия может улучшить жизнь сербского народа". Йошка достает тонкую черную сигару из портсигара с серпом и молотом. На груди внук Тито носит значок с таким же изображением. Обстановка в пустующем ресторане вполне располагающая. Высокие стеклянные двери, обрамленные шторами, выходят на террасу с бассейном. Чайные розы в вазах. Но больше всего меня впечатлили многочисленные портреты на стенах: Тито, Ленин, Путин, Гаддафи, Чавес... Интересная кoмпания подобралась. А в углу - тот, кого я ожидала увидеть в Белграде в последнюю очередь. Александр Лукашенко, по соседству со стариком Кастро. Всех этих людей внук Тито называет своими "приятелями, сделавшими много добра для своего народа". Какое счастье, что Коммунистическая партия Йошки Брозу набрала на последних выборах меньше одного процента. Такие бы результаты и всем его приятелям.
Das war ein bisschen wie beim Karneval in Deutschland. Wer hat das kreativste Plakat? Welcher Spruch ist schaerfer? Wer bring das lustigste Wortspiel? Manche lassen sich ins Deutschе nicht uebersetzen...